Hier geht´s weiter

 Herzlich willkommen zur Blauen Stunde im Mai! Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und Tun.
Diesmal gibt es noch eine besondere Ankündigung: Am 14. Mai von 15:00 - 18:00 Uhr findet unser BLAU-Fest statt. Näheres finden Sie hier.
Wir laden herzlich dazu ein!

Zum Reigen herbei!

Zum Reigen herbei
im fröhlichen Mai!
Mit Blüten und Zweigen
bekränzt euch zum Reigen!
Im fröhlichen Mai
Zum Reigen herbei!

Zum Reigen herbei!
Mit Jubelgeschrei
die Vögel sich schwingen,
sie rufen und singen
mit Jubelgeschrei:
Zum Reigen herbei!
Hoffmann von Fallersleben


Mit dem Schmetterling tanzen
Blauer Himmel lache,
kleines Bienchen summ.
Komm, wir tanzen
mit dem Schmetterling herum.
(Hanna Schnyders)


Bienchen basteln
Du brauchst:
Erlenzapfen, gelbe Wolle, Butterbrot- oder Transparentpapier und dünnes Garn.
1. Umwickle den Erlenzapfen mit gelber Wolle, sodass „Bienenstreifen“ entstehen.
2. Aus Butterbrot- / Transparentpapier zwei Flügelpaare laut Zeichnung ausschneiden.
3. Einen langen dünnen Garnfaden führst du um den Körper der Biene herum und knotest damit die Flügelpaare mittig am Bienenrücken fest. Die Fadenenden verknoten und das Bienchen an einen Zweig hängen.
Übrigens: Bienchen sind nicht gern allein. Es sieht sehr schön aus, wenn du mehrere Bienen bastelst und aufhängst.
IMG_2259
IMG_2259
IMG_2300
IMG_2300
IMG_2282
IMG_2282
IMG_2263
IMG_2263
IMG_2265
IMG_2265
IMG_2269
IMG_2269
IMG_2277
IMG_2277
IMG_2283
IMG_2283
Schmetterling
Du brauchst:
ungesponnene Schafwolle und einen Faden zum Aufhängen.
1. Zupfe die Wolle dünn zu einem Rechteck auseinander.
2. Die Wolle mittig so zusammenschieben, dass zwei gleich große Schmetterlingsflügel entstehen.
3. Einen dünnen Strang Wolle (andersfarbige Wolle sieht schön aus!) nun locker um  die Körpermitte legen und verknoten.
Der Knoten bildet den Kopf des Schmetterlings, die beiden Wolleenden zu dünnen Fühlern zwirbeln (evtl. auf die richtige Länge kürzen).
4. Die Flügel durch behutsames Zupfen formen. Wer mag, kann mit andersfarbiger Wolle noch ein Muster auf die Flügel aufbringen.
5. Zuletzt noch einen Faden zum Aufhängen an zwei Stellen einziehen.




Süße Maikäfer
Du brauchst:
Marzipanrohmasse, Vollmilchkuvertüre, ganze Mandeln.
1. Aus dem Marzipan formst du Maikäferkörper, ca. 3 – 4 cm groß. (siehe Skizze) Die kannst du für die nächsten Schritte auf eine Unterlage legen (Backpapier, Teller…).

2. Die Kuvertüre nach Anleitung auf der Verpackung im Wasserbad schmelzen (lass dir dabei von einem Erwachsenen helfen!).
3. Den  Maikäfer ganz mit der Kuvertüre überziehen (bestreichen, übergießen oder mit dem Löffel den Käfer eintauchen). Achtung: heiß!
4. Sofort die beiden Mandeln (Flügel) in den Maikäferkörper drücken. Wenn du magst, kleine Marzipankügelchen formen und als Augen in den Kopf drücken.
5. Den fertigen Käfer auskühlen lassen.






Komm, lieber Mai

Komm,  lieber Mai,  und mache
Die Bäume wieder grün,
Und lass uns an dem Bache
Die kleinen Veilchen blüh'n!
Wie möchten wir so gerne
Ein Blümchen wieder seh'n,
Ach,  lieber Mai,  wie gerne
Einmal spazieren geh'n.
Ach,  wenn's doch erst gelinder
Und grüner draußen wär!
Komm,  lieber Mai,  wir Kinder,
Wir bitten gar zu sehr!

Christian Adolph Overbeck, 1755-1821


Gebrüder Grimm
Jorinde und Joringel
Es war einmal ein altes Schloß mitten in einem großen dicken Wald, darinnen wohnte eine alte Frau ganz allein, das war eine Erzzauberin.
Am Tage machte sie sich zur Katze oder zur Nachteule, des Abends aber wurde sie wieder ordentlich wie ein Mensch gestaltet. Sie konnte das Wild und die Vögel herbeilocken, und dann schlachtete sie, kochte und briet es.
Wenn jemand auf hundert Schritte dem Schloß nahe kam, so mußte er stillestehen und konnte sich nicht von der Stelle bewegen, bis sie ihn lossprach; wenn aber eine keusche Jungfrau in diesen Kreis kam, so verwandelte sie dieselbe in einen Vogel und sperrte sie dann in einen Korb ein und trug den Korb in eine Kammer des Schlosses. Sie hatte wohl siebentausend solcher Körbe mit so raren Vögeln im Schlosse.
Nun war einmal eine Jungfrau, die hieß Jorinde; sie war schöner als alle andere Mädchen. Die und dann ein gar schöner Jüngling namens Joringel hatten sich zusammen versprochen. Sie waren in den Brauttagen, und sie hatten ihr größtes Vergnügen eins am andern.
Damit sie nun einsmalen vertraut zusammen reden könnten, gingen sie in den Wald spazieren. »Hüte dich«, sagte Joringel, »daß du nicht so nahe ans Schloß kommst.«
Es war ein schöner Abend, die Sonne schien zwischen den Stämmen der Bäume hell ins dunkle Grün des Waldes, und die Turteltaube sang kläglich auf den alten Maibuchen.
Jorinde weinte zuweilen, setzte sich hin im Sonnenschein und klagte: Joringel klagte auch. Sie waren so bestürzt, als wenn sie hätten sterben sollen; sie sahen sich um, waren irre und wußten nicht, wohin sie nach Hause gehen sollten. Noch halb stand die Sonne über dem Berg, und halb war sie unter. Joringel sah durchs Gebüsch und sah die alte Mauer des Schlosses nah bei sich; er erschrak und wurde todbang. Jorinde sang:
»Mein Vöglein mit dem Ringlein rot
singt Leide, Leide, Leide:
es singt dem Täubelein seinen Tod,
singt Leide, Lei – zicküth, zicküth, zicküth.«
Joringel sah nach Jorinde. Jorinde war in eine Nachtigall verwandelt, die sang zicküth, zicküth. Eine Nachteule mit glühenden Augen flog dreimal um sie herum und schrie dreimal schu, hu, hu, hu. Joringel konnte sich nicht regen – er stand da wie ein Stein, konnte nicht weinen, nicht reden, nicht Hand noch Fuß regen.
Nun war die Sonne unter; die Eule flog in einen Strauch, und gleich darauf kam eine alte krumme Frau aus diesem hervor, gelb und mager: große rote Augen, krumme Nase, die mit der Spitze ans Kinn reichte.
Sie murmelte, fing die Nachtigall und trug sie auf der Hand fort.
Joringel konnte nichts sagen, nicht von der Stelle kommen; die Nachtigall war fort. Endlich kam das Weib wieder und sagte mit dumpfer Stimme:
»Grüß dich, Zachiel,
wenn's Möndel ins Körbel scheint,
bind lose Zachiel,
zu guter Stund.«
Da wurde Joringel los. Er fiel vor dem Weib auf die Knie und bat, sie möchte ihm seine Jorinde wiedergeben, aber sie sagte, er sollte sie nie wiederhaben, und ging fort.
Er rief, er weinte, er jammerte, aber alles umsonst.
»Uu, was soll mir geschehen?«
Joringel ging fort und kam endlich in ein fremdes Dorf; da hütete er die Schafe lange Zeit. Oft ging er rund um das Schloß herum, aber nicht zu nahe dabei.
Endlich träumte er einmal des Nachts, er fände eine blutrote Blume, in deren Mitte eine schöne große Perle war. Die Blume brach er ab, ging damit zum Schlosse: alles, was er mit der Blume berührte, ward von der Zauberei frei; auch träumte er, er hätte seine Jorinde dadurch wiederbekommen.
Des Morgens, als er erwachte, fing er an, durch Berg und Tal zu suchen, ob er eine solche Blume fände; er suchte bis an den neunten Tag, da fand er die blutrote Blume am Morgen früh. In der Mitte war ein großer Tautropfe, so groß wie die schönste Perle. Diese Blume trug er Tag und Nacht bis zum Schloß.
Wie er auf hundert Schritt nahe bis zum Schloß kam, da ward er nicht fest, sondern ging fort bis ans Tor. Joringel freute sich hoch, berührte die Pforte mit der Blume, und sie sprang auf.
Er ging hinein, durch den Hof, horchte, wo er die vielen Vögel vernähme; endlich hörte er's.
Er ging und fand den Saal, darauf war die Zauberin und fütterte die Vögel in den siebentausend Körben.
Wie sie den Joringel sah, ward sie bös, sehr bös, schalt, spie Gift und Galle gegen ihn aus, aber sie konnte auf zwei Schritte nicht an ihn kommen.
Er kehrte sich nicht an sie und ging, besah die Körbe mit den Vögeln; da waren aber viele hundert Nachtigallen, wie sollte er nun seine Jorinde wiederfinden?
Indem er so zusah, merkte er, daß die Alte heimlich ein Körbchen mit einem Vogel wegnahm und damit nach der Türe ging.
Flugs sprang er hinzu, berührte das Körbchen mit der Blume und auch das alte Weib – nun konnte sie nichts mehr zaubern, und Jorinde stand da, hatte ihn um den Hals gefaßt, so schön, wie sie ehemals war.
Da machte er auch alle die andern Vögel wieder zu Jungfrauen, und da ging er mit seiner Jorinde nach Hause, und sie lebten lange vergnügt zusammen.